Zu viel Milch beim Stillen – warum Hyperlaktation belastend sein kann

Wer stillt, hofft oft vor allem auf eines: genug Milch zu haben. Und ja, zu wenig Milch ist ein Thema, das viele Mütter belastet. Doch was kaum jemand sagt: Auch zu viel Milch beim Stillen kann für Mütter (und Babys) enorm anstrengend und herausfordernd sein.

Immer wieder bekommen Mütter mit Milchüberschuss Sätze zu hören wie: „Sei doch froh, dass du so viel Milch hast!“ oder „Lieber zu viel als zu wenig.“ Solche Aussagen verkennen, dass eine übermäßige Milchbildung – medizinisch Hyperlaktation genannt – echte körperliche und emotionale Belastung bedeuten kann.

Wenn die Brust zur Dauerbaustelle wird

Typische Anzeichen für Hyperlaktation sind:

  • ständig volle, spannende Brüste

  • häufiges Auslaufen der Milch

  • wiederkehrende Milchstaus oder sogar Mastitis (Brustentzündung)

  • Schmerzen beim Stillen, wunde Brustwarzen, Milchbläschen

  • Unruhe, Stress oder sogar der Wunsch abzustillen

Betroffene Frauen beschreiben, dass sie kaum noch zwischen Entleerung und erneutem Milchanstieg hinterherkommen. Und oft steckt dahinter nicht einfach „Natur pur“, sondern ein Teufelskreis, der früh beginnt – oft schon in den ersten Tagen nach der Geburt.

Wenn gut gemeint zu viel wird: Pumpen, Zufüttern, Anregen

Viele Frauen erleben einen schnellen Milcheinschuss und wenn daraufhin nach Bedarf gestillt wird, kann es dazu kommen, dass sich die Brüste nach einer Zeit weicher anfühlen. Einige interpretieren das als beginnenden Milchmangel. Dann wird zusätzlich gepumpt oder Milchbildungspräparate eingenommen. Das Problem: Die Brust versteht das als Signal, noch mehr Milch zu produzieren. Gerade in der sensiblen Kalibrierungsphase in den ersten 4–6 Wochen kann so ein Milchüberschuss entstehen, der sich nur schwer wieder regulieren lässt.

Auch kursierende Erfahrungsberichte über zu wenig Milch oder ein zu frühes Milchversiegen verunsichern viele Mütter und lassen sie prophylaktisch zu Maßnahmen greifen, die kontraproduktiv sind.

Auch das Baby leidet unter zu viel Milch

Babys von Müttern mit übermäßiger Milchbildung zeigen oft typische Reaktionen:

  • hastiges Trinken, Verschlucken oder Würgen

  • häufiges Spucken oder Bauchschmerzen

  • unruhiges Trinkverhalten, Stillstreik

  • beißen oder kneifen an der Brust

Manche nehmen stark zu, andere trinken nur kurz und nehmen kaum zu – je nachdem, wie gut sie mit dem Milchfluss klarkommen. Das macht die Einschätzung für Eltern noch schwieriger.

Warum professionelle Stillberatung so wichtig ist

Ob es sich wirklich um zu viel Milch beim Stillen handelt, kann häufig nur eine gute Stillberatung klären. Es können auch andere Ursachen vorliegen: ein ungünstiges Anlegen, anatomische Besonderheiten, orale Restriktionen, Allergien oder Unverträglichkeiten – oder eben doch zu wenig Milch.

Deshalb ist es essenziell, keine Schnellmaßnahmen auf eigene Faust umzusetzen, sondern sich Unterstützung zu holen. Stillberaterinnen können gezielt einschätzen, ob ein Milchüberschuss vorliegt, wie stark er ausgeprägt ist und welche Maßnahmen individuell sinnvoll sind.

Blockstillen – eine mögliche Maßnahme bei Hyperlaktation

Eine der bekanntesten Methoden zur Regulation von zu viel Milch ist das sogenannte Blockstillen. Dabei wird über einen definierten Zeitraum (z. B. 3 Stunden) nur eine Brust angeboten, bevor zur anderen gewechselt wird. Ziel ist, der Brust eine realistischere Einschätzung des Milchbedarfs zu ermöglichen.

Aber: Blockstillen gehört immer in professionelle Begleitung! Wird der Block zu lange gewählt oder nicht regelmäßig überprüft, kann es zu neuen Milchstaus oder einer schmerzhaften Mastitis kommen. Und das verschlimmert einerseits den gesundheitlichen Zustand der Mutter aber andererseits verstärkt es auch die Belastung.

Kurzfristige Maßnahmen können sein:

  • Stillen in aufrechter oder zurückgelehnter Position (Laid-back-Stillen)

  • Hoppe-Reiter-Haltung oder Stillen in der Trage

  • dem Baby ausreichend Pausen zum Aufstoßen geben

  • sanfter Gegendruck mit der Handfläche bei starkem Milchfluss

Auch hier gilt: Keine Maßnahme ersetzt die individuelle Begleitung durch eine Stillberaterin, die mögliche Ursachen und passende Lösungen genau mit dir abstimmt.

 
Fazit: Milchüberschuss ist kein Luxusproblem

Zu viel Milch beim Stillen kann die Stillbeziehung erheblich belasten – körperlich und emotional. Wenn du dich in den beschriebenen Symptomen wiedererkennst, bist du nicht allein. Und vor allem: Du musst da nicht alleine durch.

Ich begleite dich gerne dabei, herauszufinden, was hinter deinen Beschwerden steckt und ob es wirklich eine Hyperlaktation ist. Gemeinsam finden wir Wege, wie du wieder in einen entspannten Stillrhythmus findest.

👉 Hier kannst du deine persönliche Stillberatung buchen

Literaturtipp: ABM Clinical Protocol #32 – Hyperlactation: Management of Overabundant Milk Supply (Academy of Breastfeeding Medicine) letzter Aufruf 29.05.2025

 
Lea Stecher
Still- und Laktationsberaterin (FSL Fachkraft für Stillen und Laktation®)
BFB bindungsorientierte Familienbegleiterin® (Still-, Schlaf- und Beikostberaterin)
FeS Fachkraft für Formula ernährte Säugling
 
Stilfs im Vinschgau | Südtirol
Beratungen sind auch online über Zoom möglich
 
info@hearzig-familienbegleitung.it
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