Erwartung vs. Realität beim Beikoststart
Der Beikoststart ist für viele Eltern ein großer Meilenstein. Voller Vorfreude wird die erste Mahlzeit vorbereitet, die Kamera gezückt und dann? Bleibt der Mund zu oder das Essen landet auf dem Boden. Vielleicht spuckt dein Baby alles wieder aus, dreht den Kopf weg oder verliert ganz schnell das Interesse.
Das kann verunsichern. Schließlich liest und hört man überall, wie wichtig diese Phase ist. Doch hier kommt erstmal eine große Portion Beruhigung: Essen ist kein Wettbewerb.
Jedes Baby hat sein eigenes Tempo – auch beim Beikoststart.
Warum manche Babys anfangs wenig oder gar nicht essen
Es gibt viele Gründe, warum ein Baby die Beikost (erstmal) liegen lässt. Wichtig ist: Dieses Verhalten hat nichts mit „Fehlverhalten“ zu tun – weder beim Baby noch bei dir.
Entwicklungstempo ist individuell
Nicht jedes Baby ist zur gleichen Zeit bereit für die Beikost. Entscheidend sind neben dem Alter vor allem die echten Beikostreifezeichen:
Alter: Frühestens mit Beginn des 5. Monats, spätestens mit Beginn des 7. Monats – immer unter Berücksichtigung der Reifezeichen:
- Stabile Kopf- und Rumpfkontrolle: Dein Baby kann den Kopf stabil halten und mit leichter Unterstützung im Rücken sitzen. Solange es noch nicht selbstständig in eine Sitzposition kommt, ist dein Schoß der beste Ort für den Beikoststart.
Ein Hochstuhl sollte erst dann verwendet werden, wenn dein Baby selbstständig in Sitzposition gelangt. Zungenstoßreflex ist verschwunden: Dieser natürliche Schutzmechanismus schützt vor Verschlucken.
Hand-Mund-Auge-Koordination ist vorhanden: Dein Baby kann gezielt greifen und gezielt zum Mund führen.
Sensorische Reize können überfordern
Neue Konsistenzen, Gerüche, Geschmäcker – das alles ist eine völlig neue Welt. Manche Babys brauchen Zeit, um sich an diese Reize zu gewöhnen.
Zahnen, Müdigkeit, Entwicklungsschübe
Wenn das Zahnfleisch drückt, der Mittagsschlaf fehlt oder ein neuer Entwicklungssprung ansteht, kann Essen zur Nebensache werden.
Achte darauf, dass dein Kind nicht übermüdet und auch nicht völlig ausgehungert ist.
Ein kleiner Still- oder Formula-Snack vor der Beikostmahlzeit kann helfen, den Druck aus der Situation zu nehmen.
Interesse ≠ Beikostreife
Ein Baby kann sich für dein Essen interessieren, ohne schon bereit zu sein, selbst zu essen. Es schaut, greift – bringt aber (noch) nichts gezielt zum Mund.
Babys sind grundsätzlich an allem interessiert, was wir tun. Dass dein Baby dir beim Essen begeistert zusieht oder dir das Besteck aus der Hand reißen will, ist spannend, sagt aber noch nichts über die Beikostreife aus.
Natürlich ist Interesse wichtig – gerade für ein achtsames Füttern. Aber: Interesse allein genügt nicht.
Und mal ehrlich: Wie spannend ist es denn bitte, wenn da alle am Tisch sitzen, etwas in der Hand halten, es aufspießen, in den Mund schieben und dazu noch begeistert „Mmmh!“ rufen?
Was du tun kannst, wenn dein Baby nicht essen will
Die wichtigste Botschaft zuerst:
Du musst nichts „trainieren“ oder dein Baby überreden. Es darf lernen und du darfst begleiten.
Druck rausnehmen
Dein Baby spürt deinen Stress. Je entspannter du bist, desto freier kann dein Kind eigene Erfahrungen machen.
Gemeinsame Mahlzeiten
Lasst euer Baby am Familienalltag teilhaben. Viele Babys essen lieber, wenn alle zusammen am Tisch sitzen, als wenn sie alleine gefüttert werden. Essen ist ein soziales Erlebnis, auch für die Kleinsten.
Baby mitessen lassen – selbst entscheiden lassen
Statt Löffel-Füttern: Gib deinem Baby die Möglichkeit, selbst zuzugreifen. Das stärkt sein Körpergefühl und seine Selbstwirksamkeit.
Fingerfood anbieten
Gedünstete Gemüsesticks, weiche Obststücke oder kleine Nudeln laden zum Entdecken ein. Ein beikostreifes Kind darf von Anfang an selbstständig essen.
Wichtig: Achte bei Baby-led Weaning (BLW) auf geeignete Lebensmittel und sichere Konsistenzen.
Ein einfacher Test: Lässt sich das Stück zwischen Daumen und Zeigefinger leicht zerdrücken? Dann ist die Konsistenz perfekt. Wenn nicht – oder wenn es hart bleibt oder bricht – ist es (noch) nicht sicher für die Beikost.
Essen als Spiel- und Lernfeld
Essen ist nicht nur Nahrungsaufnahme, es ist Fühlen, Matschen, Schmecken, Erkunden. Und das braucht Zeit.
Im ersten Lebensjahr bleibt Muttermilch oder Formula übrigens weiterhin die Hauptnahrungsquelle.
Wann du genauer hinschauen solltest
In den meisten Fällen ist es völlig normal, wenn ein Baby beim Beikoststart (noch) nicht viel isst. Es gibt aber Situationen, in denen eine fachliche Einschätzung sinnvoll ist:
Dein Baby nimmt sichtbar ab
Es hat Probleme mit der Verdauung
Es würgt stark oder regelmäßig bei bestimmten Konsistenzen
Es verweigert jegliche Form von Nahrung dauerhaft
Dein Bauchgefühl sagt dir, dass etwas nicht stimmt
Dann kann ein Gespräch mit dem Kinderarzt oder eine individuelle Beratung helfen, gemeinsam Ursachen zu erkennen und gute nächste Schritte zu planen.
Mein Angebot für dich: Individuelle Begleitung rund um den Beikoststart
Ich bin Lea Stecher, BFB bindungsorientierte Familienbegleiterin® mit Spezialisierung auf Stillen, Schlaf, Beikost und Formula.
Seit Jahren begleite ich Familien dabei, ihren eigenen Weg beim Essen lernen zu finden – ohne Druck, ohne starre Pläne.
Du hast Fragen zum Beikoststart?
Du möchtest Stillen und Beikost gut miteinander verbinden?
Dein Baby ist ein Frühchen, hat Allergien oder benötigt eine Formula-Ergänzung?
Du bist einfach unsicher und wünschst dir Begleitung?
Dann melde dich gerne bei mir – online oder persönlich vor Ort in Südtirol.
📍 Weitere Infos findest du hier auf meiner Website.
Mein nächstes Beikost-Webinar findet bald statt – dort bekommst du kompaktes Wissen und all deine Fragen finden Platz.
Wir sprechen u. a. über:
die sichere Lebensmittelauswahl
wichtige Sicherheitsregeln rund um die Beikost
darüber, was sich in Bezug auf Stillen und/oder Formula nach dem Beikoststart ändert
- uvm.
Alle aktuellen Termine findest du auf meiner Website.